Was erwartet uns in Lorient ?
von der „schönen Insel“ geht es nordwärts zum größten Fischerhafen Frankreichs Lorient.
Mit immerhin knapp 60.000 Einwohnern ist sie im Rahmen unserer Reise schon fast eine Großstadt.
Es sind i.M. 20 kn Wind aus Süd-Ost angesagt, also genau von hinten. Um acht Uhr morgens werfen wir die Leinen los und bei wenig Wind motoren wir aus dem Hafen. Die Sonne geht grade auf und die Insel verabschiedet sich auf ihre Weise: Einfach nur schön.
Eine knappe Stunde später, aus dem Windschatten der Insel heraus, kommt der versprochene Wind und legt bis Lorient auch immer weiter zu. Nur mit Genua machen wir gute Fahrt .
Auf halben Weg sehen wir auf dem AIS, das auch die Profisegler aus Lorient den Wind nutzen, um für die kommende Regatta Anfang November zu trainieren. Mehrere IMOCAs u.a. auch die MALIZIA 4 von Boris Hermann kommt uns entgegen ist aber schon so schnell, dass wir sie zwar auf dem AIS, aber nur im Dunst am Horizont erkennen können.
Den ersten großen Jachthafen von Lorient, Port du Kernevel, lassen wir auf Backbord liegen. Auch den Standort des Hochseesegelsports La BASE auf dem Gelände der ehemaligen U Boot Bunker, einem Relikt aus finsteren Zeiten des zweiten Weltkrieges, bleibt im Fahrwasser zurück. Wir möchten gerne in den Stadthafen – Port de Lorient, der nicht ganz so groß ist, mitten in der Innenstadt liegt und bei den Hafenführern als sehr gut beschrieben wird.
Bei reichlich Seitenwind als auch Strömung vom ablaufenden Wasser der Ebbe brauchen wir drei Anläufe um an einer großen Stahljacht ins Päckchen zu gehen, die laut Hafenmeisterin auch die nächsten Tage dort liegen bleibt, so das wir problemlos die Stadt entdecken können. Umgeben von Hochhäusern und städtischem Getümmel gefällt uns der Hafen auf Anhieb. Mit 22 € pro Nacht ist es bis jetzt auch der günstigste. Leider sind die neuen hochgelobten Sanitäranlagen ( incl. Sauna) leider genau in dieser Woche wegen Arbeiten geschlossen. Aber auch die als Ersatz dienende Dusche mit WC ist völlig in Ordnung.
Die Innenstadt ist recht unspektakulär. Im Krieg wurde die Innenstadt zu 90% zerstört, nur die massiven Bunker haben die Bombenangriffe der Alliierten überlebt. Wir aus dem Ruhrgebiet kennen uns ja damit aus, das in der Nachkriegszeit die Häuser schnell wieder aufgebaut werden mussten und nur wenig Geld vorhanden war und somit die Architektur auf das nützliche beschränkt wurde. So hegen wir eine gewisse Sympathie für die Innenstadt 😉 .
Vom Stadthafen aus bis hin zum Rathaus erstreckt sich ein breiter und fast ein Kilometer langer Grüngürtel, der unter andrem seit den neunzehnhundert-siebziger Jahren für das Festival Interceltique de Lorient, immer Anfang August für 10 Tage genutzt wird. Hier treffen sich mittlerweile dann in der ganzen Stadt über 800.000 Menschen. Das Festival ist eins der größten innerstädtischen Festivals in ganz Frankreich.
Am nächsten Tag wollen wir uns das Hochseesegelzentrum „La Base“ ansehen . Hier ließen sich, nachdem der französische Staat die militärische Nutzung aufgegeben hatte, seit Ende der neunziger Jahre Skipper wie Alain Gautier und Franck Cammas nieder, um aus den Bunkern Bootshäuser werden zu lassen.Nach und nach kamen immer mehr Skipper bzw. Rennställe aus der Regattascene hinzu. 2008 wurde mit der Cité de la Voile Éric Tabarly auch noch ein Museum gebaut. Mittlerweile sind die – mit über 200.000 Besuchern im Jahr – alten U Boot Bunker wichtiger Bestandteil der Internationalen Hochseeregattascene und das ganze Areal mit den Ausstellungen und der Museen ist zu einem der wichtigsten Attraktionen der Stadt geworden.
Logisch das wir dies als Segler nicht auslassen können. Auch der deutsche Skipper Borris Hermann hat hier mit seiner Malizia mit seinem ganzen Team seinen Standort gefunden.
Auf dem Fußweg vom Stadthafen aus gehen wir noch bei einem ansässigen Segelmacher vorbei, denn wir brauchen sowohl ein Ersatzteil für unsern Mast, als auch neue Lazybags . Diese sind bei unserm Boot nach 12 Jahren arg verschlissen und müssen erneuert werden.
Vom Segelmacher kommen wir schnell auf das Gelände der BASE und wir sind erstaunt, dass hier alles absolut frei zugänglich ist. Wir gucken in die Malizia Halle, wo grade die „United by the Ocean“, eine IMOCA Yacht von Skipper Paul Meilhat und Mariana Lobato überholt wird. Schlendern zum Steg von Malizia vor dem Bunker K3 an denen aktuell die ehem.Malizia 3 (jetzt 11th Hour Racing von Skipperin Francesca Clapcich ) als auch die neue Malizia 4 von Boris Hermann liegt. Diese ist grade von ihrem 24 Stunden Training zurück in den Hafen gekommen und das ganze Team incl. Boris Hermann und Co Skipper Will Harris sitzen auf dem Boot, essen,trinken und diskutieren über die vergangenen 24 Stunden.
Auch wieder erstaunlich, das alles in absoluter Öffentlichkeit, ohne jegliche Absperrung. Toll das dies in diesen Zeiten so noch möglich ist. Noch einige andere Boote der Imoca Klasse liegen hier, als auch drei der ULTRA Trimarane unter andrem der Maxi-Trimaran Sodebo Ultim 3, der für den „Non-Stop-Törn“ um die Erde Ende 2025 die magische Grenze von 40 Tagen erreichte. Faszinierende Segelmonster…
Als wir dann das ganze Gelände und die Bootsstege abgelaufen sind, reichte es kräftemäßig grade noch für einen Kaffee, aber nicht mehr für das Museum. Vielleicht das nächste Mal. Mit dem Bus geht`s dann zurück in die Innenstadt und wir genießen die am Vormittag in der Markthalle besorgten Austern, bevor wir vorzüglich in der Stadt essen gehen.
Wir entscheiden das Lorient die letzte Station ist, bevor wir nach Loctudy zurückkehren. Wollen uns aber für einen Tag noch ein Auto leihen, um die Umgebung genauer zu erkunden. Außerdem werden wir danach noch in den Hafen von Port Louis wechseln, fast ein Vorort von Lorient um dort sowohl die gewaltige Festung in der Hafeneinfahrt von Loriont, als auch das hübsche Städtchen Port Louis zu erkunden.








