Belle-Île, die Schöne?
oder auf Bretonisch: Enez ar Gerveur – laut Rival (Inspektor und Mitarbeiter von Dupin) : die Stadt des Meeres …
Von La Turballe entschließen wir uns, Richtung Belle-Île aufzubrechen. Die Windprognosen sind nicht vielversprechend. Erst sehr wenig Wind und dann zwischen 10 und 15 KN aber genau von vorn. Damit wir auch in den Hafen kommen, haben wir einen Slot von 4 Stunden und sollten so zwischen vier und fünf Uhr in La Palais sein, um durch das Sieltor zu kommen.
Also brechen wir bei schönstem Wetter um 9 Uhr morgens unter Motor auf und rechnen damit, die 26 Meilen komplett unter Motor fahren zu müssen. Aber weit gefehlt. Nach knapp einer Stunde kommt viel früher als vorhergesagt Wind auf und wir können segeln. Zwar können wir den Kurs Richtung Belle-Île nicht halten, aber wir haben Zeit und beschließen, zu kreuzen. So geht es „Zickzack“ zwischen den Inseln Hoedic und Houat hindurch (leider gegen den Strom), sodass der Wendewinkel nicht optimal ist. Noch ist der Wind recht moderat, aber als wir aus dem Windschatten von Houat herauskommen, nimmt der Wind stetig zu und auf dem halben Weg zur Belle Île müssen wir kräftig reffen, denn mittlerweile hat es auf 20–25 kn (gute 6 Bft) aufgefrischt. In Abdeckung der Insel wirkt sich zwar die Atlantikdünung nicht aus, aber eine hässliche, kurze, bis zu einem Meter hohe Welle entsteht, in der sich Karl immer wieder ordentlich feststampft. Aber wir sind nicht die Einzigen, die den Hafen La Palais anstreben, und wie hinlänglich bekannt, ist es eine Regatta, wenn zwei Segelboote auf dem gleichen Kurs unterwegs sind. Und wie wir wissen, wenn Karl ordentlich Wind hat, kann er auch hoch und schnell segeln, und wir „gewinnen“ die Regatta mit Bravour. Gut gemacht, Karl!!!
Kurz vor dem Hafen wird es ruhig und der Hafenmeister holt uns mit dem Schlauchboot ab und leitet uns durch den Vorhafen, den Schleusenhafen, das Sieltor und die Brücke fast ganz zum Ende des Hafens im kleinen Fluss. Hier ist es zwar nicht so pittoresk, aber dafür sehr ruhig und geschützt. Sanitäre Anlagen sind allerdings sehr weit entfernt, dafür aber auch kaum vorhanden. Drei Duschen und zwei Toiletten sind bei der Anzahl an Booten (auch jetzt noch in der Nachsaison) doch sehr wenig.
Ansonsten sind wir von dem Städtchen La Paiais absolut begeistert. Hier ist es wirklich so richtig schön und macht dem Namen der Insel alle Ehre.
Noch hält sich dieses wunderbare Spätsommerwetter und schnell packen wir am Samstag unsere Fahrräder aus und entdecken den ebenfalls wunderschönen Westen der Insel mit dem Örtchen Sauzon und dem Pointe des Poulains, der Westspitze der Insel.
Am Sonntag fallen tatsächlich die ersten Tropfen Regen, seitdem wir hier sind. Wir entschließen uns, mit dem Bus zur Südküste zum Porte Coton zu fahren. Auf der Insel gibt es ein gut ausgebautes Busnetz, sodass man wirklich von der Hauptstadt aus alle Sehenswürdigkeiten in allen Himmelsrichtungen entdecken kann.
Die Hinfahrt mit dem Bus dauert ca. 25 min. Der Bus endet direkt an der Felsenküste und kommt in einer Stunde zurück, um uns dann wieder in die Hauptstadt zu bringen. Die Einzelfahrt kostet 3,50 € (Tageskarte 11,00 €) und es lohnt sich, wenn man nicht mit dem Fahrrad fahren möchte oder kann.
Auch hier beeindruckt die Landschaft und wir können jetzt schon sagen: Die Insel hält genau das, was ihr Name verspricht ….(wir empfehlen den Krimi von Jean-Luc Benalec: „Bretonische Idylle“)








