Urlaub im Sabbatical

Wir wissen nicht mehr genau von wem, aber auf Facebook bekamen wir einen Kommentar, dass man bei El Hierro aufpassen müsse, weil diese Insel magnetisch sei und sie einen nicht mehr loslassen werde .

Und so war es auch. Es fiel uns richtig schwer, Abschied zu nehmen. Vielleicht, weil es der Wendepunkt unserer Reise ist, vielleicht aber auch, weil wir uns verguckt haben in diese wunderschöne kleine Insel. Wehmütig legten wir morgens in La Restinga ab. Wie immer war der Tiger (SY Tiger Blue) schon ein paar Meilen voraus. Frühaufsteher halt… Um die Ecke rum und dann konnten die Segel hoch und wie sollte es anders sein: bis hier ging es mit raumen Winden (Wind meistens von hinten), ab jetzt muss Karl zeigen, was er am Wind (gegen den Wind) kann.

Wir hatten uns im kleinen Hafen von Vueltas auf La Gomera mit Martina und Chris verabredet, auch Fred und Eva warteten dort schon, die zwischenzeitlich von El Hierro nach La Gomera weiter gereist waren.  Am Anfang fehlten gute 20 Grad Höhe zum Wind, zwischendurch war der Wind auch mal weg und desto näher La Gomera kam, ging es dann doch unter Segel direkt bis nach Vueltas. Unser Anker fiel auf knapp zehn Metern, rumpelte über die Felsen und verhakte sich dann.

Kaum war der Anker gefallen, wurden wir von Eva und Fred zum Konzert in der Gomera Lounge eingeladen. Hier spielte der geniale Geiger Thomas Kargermann und mit anschließender Disko wurde es ein langer Abend oder besser ein früher Morgen, aber sicherlich der richtige Einstand für das Valle Gran Rey.

Irgendwie scheint hier die Zeit stehen geblieben zu sein.

Silke: Keine 100 Meter hinter unserm Ankerplatz, näher zum Ufer beginnen die steinigen Untiefen, die schon einigen Boote in der Vergangenheit bei starkem Südwind zum Verhängnis wurden. Ganz besonders, aber auch zunächst gewöhnungsbedürftig ist die Brandung, die sich an diesen Untiefen aufbaut und nicht zimperlich an die Küste rauscht. Dahinter ein schmaler Schotterweg vor der beeindruckend aufragenden Felswand des Tequergenche. Am Ende des Schotterweges mit nicht zu unterschätzender Steinschlaggefahr befinden sich der naturbelassene Playa de Argaga und die 1986 von Sannyasins gegründete Finca Argayall (Platz des Lichts), auf der 20 Menschen mit dem Wunsch nach einer alternativen, experimentellen und erfahrungsorientierten Lebensgemeinschaft leben und arbeiten. Dahinter liegt die „Schweinebucht“, in der Aussteiger seinerzeit in Hütten und Höhlen gelebt haben. Mehrfach wurde die Bucht von der Polizei geräumt und auch während unserer Ankerzeit fliegt ein Polizeihubschrauber so tief durch die Bucht, dass wir fast Angst um unseren Windanzeiger bekommen. 

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Gomera ist mir seit Mitte der achtziger ein Begriff, als viele nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl hierhin flüchteten. Aber das ist auch schon über dreißig Jahre her. Einige sind hier geblieben, andere dazugekommen und haben die Entwicklung vom Valle hier geprägt. Mann/Frau spricht Deutsch. Deutsche Bäckerei, deutsche Metzgerei, deutsche Arztpraxis, deutscher Elektriker, deutsche Zeitung. Vieles in die Jahre gekommen, aber wenn man sich einmal eingewöhnt hat, scheint es gar nicht mehr so fremd. Musik am Strand, am Busbahnhof, in den Kneipen, im Yogazentrum, kaum ein Abend vergeht, ohne daß nicht irgendwo was los ist. Im Mittelpunkt Capitano Claudio, Autor des phantastischen Valle-Boten, einer deutschen Zeitung, die spitz und pointiert die Ereignisse hier im Tal, aber auch außerhalb aufs Korn nimmt. Absolut lesenswert!!!

Und so liegen wir hier in Vueltas vor dem Fischerhafen vor Anker. Mittlerweile sind auch Doris und Kalle mit ihrer selbstgebauten Blue Sun (grossen Respekt vor so viel handwerklichem Können) dazugekommen. Aus zwei geplanten Tagen ist mehr als eine Woche geworden und jeden Tag haben wir genossen. Als sich trotz Sparmaßnahmen unser Wassertank leert, den wir vor der Überfahrt nach La Gomera nicht mehr aufgefüllt hatten, schmeißt die Blue Sun mal eben ihren Wassermacher an und reicht uns 60 Liter rüber.

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Die geschützte Ankerbucht verdanken wir einer der wenigen Bausünden hier am Ort, der riesigen Kaimauer. Anfang der 2000er hatte man viel vor. Den Hafen vergrößern, so daß Kreuzfahrtschiffe anlegen können, neue Straßen, neue Hotels, neue Appartements, ein neues Zentrum. Der Hafen, das neue Zentrum in Borbalan, einige neue Appartmenthäuser wurden tatsächlich gebaut, mit der Straße wurde angefangen und dann kam die Krise. So schnell, wie alles begonnen hat, so schnell war es auch wieder zu Ende. Und so ist es bis heute auch geblieben. Vueltas ist noch immer der kleine Hafen, mit kleinen Gassen, kleinen Bars, kleinen gemütlichen Restaurants und einer riesigen Hafenmauer (ohne Kreuzfahrtschiffe).

Und das ist gut so….

Silke: Als lauflustiger Teil der Karl-Crew mache ich mich auf den Weg nach und durch La Calera. Dieser Ortsteil im Valle Gran Rey führt durch enge Gassen, über Treppen und um etliche enge Ecken. Bunte Graffitis an den Fassaden der überwiegend weißen Häuser, Blumen vor den Häusern, Massageangebote, eine Sprachschule, eine Kirche und am Ende dann ein weiter Blick ins Valle-Gran-Rey, dem Tal der Könige.  Hier oben beginnt auch ein Wanderweg nach Arure, zu dem Doris von Blue Sun und ich uns ein paar Tage später aufmachen. Serpentinenartig geht es den Berg bis auf 850 m Höhe hinauf und dann entspannt von der Hochebene „La Mérica“ auf dem Bergrücken weiter. Auf dem gesamten Weg haben wir grandiose Ausblicke ins Tal, kommen an einer Ziegenfarm vorbei und erreichen Arure wenige Minuten, bevor dunkle Wolken die Sicht enorm beeinträchtigen. Schlagartig wird es kalt, wir stärken uns bei Kaffee und hausgemachtem Kuchen und fahren per Anhalter gemütlich nach Vueltas zurück.     

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Und wer sich mal vor der Hafenkneipe auf die Kaimauer setzt und nicht nur die kleinen bunten Fischerboote beobachtet, sondern mal ins Wasser schaut, kann, wenn er/sie ein bißchen Glück hat, die gewaltigen Stachelrochen sehen, die im klaren Hafenwasser darauf warten, daß die Fischer hereinkommen und den Beifang ins Wasser werfen.

Und wir? Mit unseren Booten außen vor und doch mittendrin. Machen im wahrsten Sinne des Wortes Urlaub. Schnorcheln, tauchen zu den Rochen, sitzen in der Bar am Hafen, gewandert wird auch, treffen uns abends wieder, um zusammen die Musik zu genießen und freuen uns jeden Abend über den fantastischen Sonnenuntergang.

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Es ist ein Ort zum Sich-Treiben-Lassen…an dem es schwer fällt, dann doch den Anker zu heben.

Es kommt, wie es kommen musste.  Montagmorgens (am 04.02.) geht es Richtung Osten und der Abschied von Martina und Chris fällt uns besonders schwer, da die Beiden jetzt Richtung Norden nach La Palma gehen.  Nach einer Ehrenrunde um die Tiger Blue geht es dann unter lautem Getröte von Chris aus der Bucht heraus. Lange winken wir uns noch mit der Tiger Blue und der Blue Sun zu. Wir hoffen, daß wir uns auf den Azoren wieder treffen…schön wär’s…

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