Wunderschön, Douarnenez

Frühmorgens um 6.00 Uhr geht es in Roscoff aus dem Hafen.

Kalt, feucht und nebelig ist es. Im Hafen sieht man vielleicht noch 100 m weit. Seenebel.

Kaum Wind und der auch noch von hinten. Also motoren wir zusammen mit der Mariana durch den Nebel. Aus dem Nichts tauchen schemenhaft Boote auf. Es geht durch den Chenal du four Richtung Camaret sur Mer. Die 60 Meilen schaffen wir in knapp 12 Stunden, mit viel mitlaufender Strömung, aber fast ausschließlich unter Motor. Gegen Mittag, als wir nach Süden abdrehen, können wir für knapp zwei Stunden segeln. Im Nebel steht eine fast unheimliche Atlantikdünung von 2 bis 3 Metern Höhe. Endlich, am Nachmittag kommt die Sonne heraus. Zum ersten Mal können wir die Küste sehen und die davor gelagerten Felsen, an der sich die Dünung bricht. Schade denn dieser Teil der Küste mit seinen vielen Leuchttürmen ist wunderschön.

Camaret empfängt uns zum dritten Mal und wir entscheiden uns zum ersten Mal im kleinen Hafen direkt vor der Stadt anzulegen. Das hat den Vorteil man ist schnell in der Stadt, hat einen Platz mit Seitensteg, aber man liegt größtenteils zwischen leeren Booten die auf Ihre Eigentümer warten. Da ist es im Außenhafen lebendiger. Hier liegen viele der Langfahrer, die auf ein Wetterfenster über die Biskaya warten. Im Gegensatz zu 2019, als wir das letzte Mal hier waren, sind jetzt Sanitärcontainer am Außenhafen aufgestellt worden und die Anlagen am Innenhafen wirken dagegen stark vernachlässigt. Wir denken, dass der Außenhafen attraktiver ist …

Mal wieder lassen wir uns von der Atmosphäre in Camaret verwöhnen. Wunderbar essen gehen und am nächsten Morgen, es ist Sonntag, ist Künstlermarkt. Wir lassen die Seele baumeln. Die Sonne bleibt uns jetzt treu und der Sommer kann beginnen. In der Bar Donegan steigen wir in die Fußball WM ein. Ein 7 : 1 (Deutschland – Curasao) hebt die Stimmung.

Drei Tage später brechen wir auf, es geht weiter Richtung Süden nach Morgat / Crozon. Der Wind kommt aus Südwesten mit 10 – 15 Knoten. Champagnersegeln, zwar auf der Kreuz aber endlich bleibt der Motor aus. 25 Meilen in 4,5 Stunden.

Im Hafen bekommen wir den letzten Liegeplatz am Seitensteg. Der erste Hafen den wir bis jetzt nach nicht kennen. Ab jetzt entdecken wir neue Orte und neue Häfen.

Morgat, ein kleiner Touristenort, mit Sandstrand, vielen Restaurants, aber noch ist es ruhig. Es ist Vorsaison. Die Sonne ist noch nicht richtig konstant und die Temperaturen, na ja wir sind froh, wenn diese die 20° erreichen. Am nächsten Morgen wechseln wir aus dem Hafen und ankern in der Bucht vor dem Ort. Mit dem Dingi entdecken wir die Küste mit tollen Felsformationen und etlichen Grotten. Am Nachmittag kommt auch die Mariana ins Ankerfeld. Für den Abend haben wir einen Tisch im hochgelobten Fischrestaurant gebucht. Wir freuen uns.

Pünktlich um 18.00 brechen wir auf, fahren noch kurz mit dem Dingi zur Mariana rüber, halten einen kurzen Schwatz und da geht der Außenborder aus. Nichts will ihn bewegen wieder anzuspringen. Zwar springt dann der Außenborder der Mariana sofort an, aber noch nicht im Dingi, dasselbe Spiel bei unsern Freunden. Zwei Außenborder spielen verrückt, oder sind es die Bediener, ich weiß es nicht. Zum Rudern, gegen die Strömung ist es zu weit. Die Stimmung auf dem Tiefpunkt. Wir sagen den Tisch ab. Manchmal soll es halt nicht sein 🙁

Am nächsten Morgen geht es dann aus dieser verhexten Bucht einmal quer rüber nach Douarnenez. Zwar wieder unter Motor ( zumindest der Innenborder funktioniert), aber zumindest scheint die Sonne und es ist recht warm.

Auf Anhieb verlieben wir uns in diese alte Fischerstadt. Wir bekommen einen Platz längsseits am Besuchersteg. Die Stimmung ist super freundlich und locker. Schnell merken wir, dass hier grade die MINI Fastnet Regatta ausgetragen wird und vor zwei Tagen 95 Boote ( 6,50 m lang) nach Südirland zum Fastnet Rock aufgebrochen sind. Ab dem späten Nachmittag werden die ersten schon wieder zurückerwartet. Eine tolle Szene von jungen Segeler*innen, die auf dem Sprung in den Offshore Profisport sind.

Die Stadt ist kein Touristenort. Eine Stadt, die durch Fischfang und Fischverarbeitung (hauptsächlich Sardinen) geprägt wurde. Mittlerweile stehen die Fabriken größtenteils leer. Im großen Hafen landen zwar noch Fischer an, es gibt auch noch eine Auktionshalle, aber verarbeitet wird hier kaum noch ein Fisch. Strukturwandel, einer von vielen, die die Stadt in ihrer Geschichte schon erlebt hat. Uns gefällt es hier ausgesprochen gut. Wir lesen von einem stattfindenden Sardinenfest und beschließen, uns das natürlich nicht entgehen zu lassen. Da dies in der ganzen Stadt plakatiert ist, gehen wir davon aus, dass dies ein großes Spektakel ist. Stellen aber fest, dass es am Ende eine Vereinsfeier von Unterstützern des alten Hafens ist. Eine tolle entspannte Atmosphäre mit tollen freundlichen Menschen, mit live Musik und leckeren gegrillten Sardinen. Wir haben uns sehr wohlgefühlt. Abends feiern noch die MINI Segler*innen im Hafen. Am nächsten Tag ist Tag der Musik und am großen Fischerhafen ist eine große Bühne aufgestellt und bis spät in die Nacht wird hier Musik gemacht. Besonders gut gefällt uns ein Frauenchor der zwischen zwei Restaurants sehr selbstbewusst Bretonische Lieder vorträgt. Uns gefällt uns hier!

Unser nächstes Ziel ist Audirene. Dabei gehts durch den Raz de Sein. Einer Meeresenge zwischen dem Festland und der Ile de Sein. Hier heißt es mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Wind und Strömung können hier mehr als tückisch sein. Aber es ist nicht das erste Mal das wir hier segeln. Auch im Sabbatical hat uns auf dem Weg von Camaret nach Coruna,Spanien der Weg hierhergeführt. Und auch diesmal hat alles geklappt. Mal wieder sehr wenig Wind, aber wir sind bei strahlender Sonne gut in Audirene angekommen. Mehr von der Ile de Sein und von Audiriene beim nächsten Mal…

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