Raz de Seine, das Kap Hoorn Europas?
es geht durchs Raz de Seine Richtung Audierne. Mal wieder heißt es früh aufstehen, um sowohl mit der Strömung ums Cap, als auch in Audierne noch rechtzeitig vor der Ebbe in den Hafen zu kommen.
Wie immer, sowohl in der Normandie, als auch in der Bretagne müssen Wind und Strömung passen, ansonsten kann es bei den Caps extrem ungemütlich werden. Ein sonniger Tag mit leider wenig Wind. Dafür aber ruhige Verhältnisse am Cap. Wir können sehr nah ans Leuchtfeuer La Plate heran. Hier treffen verschiedene Strömungen aufeinander und es kommt darauf an, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Heißt, hier sollte man am besten bei Stillstand der Strömungen sein, heißt genau zu der Zeit, wenn die Ebbe in die Flut übergeht.
Die Zeitschrift Yacht ( unter Seglern*innen bestens bekannt) betitelte vor zwei Jahren mal einen Artikel etwas reißerisch:
Törn um die Pointe du Raz, das Kap Hoorn Europas. YACHT · 31.05.2024
Die Meerenge an der legendären Pointe du Raz vor der Küste der Westbretagne ist eine der schwierigsten Passagen für Segler. YACHT-Autor Wilfried Krusekopf hat sich der Herausforderung gestellt
Wer auf die schnelle mal wissen möchte, wie es am Phare de Vieille bei Sturm aussieht, ein Link zu den tollen Fotos von Ronan Follic :
Karten von der Garmin /Meine Karten
Also „stellen wir uns der Herausforderung“ bei bestem Wetter und Timing. Leider unter Motor und wenig Wind, aber besser so, als hier durch eine „Waschküche“ 😉 segeln zu müssen. So können wir die die Aussichten genießen. Auf Steuerbord sehen wir die Ile de Sein, auf Backbord sowohl Point de Raz hoch auf dem Felsen, als auch die vorgelagerten Klippen und Felsen. In Douarnenez haben wir überlegt auf der Ile de Sein zu ankern, aber letztlich ist für die Nacht Wind angesagt und da kann es ungemütlich werden. Auf „ungemütlich“ haben wir aber keine Lust, schliesslich haben wir Urlaub! Also entscheiden wir uns, mit der Fähre von Audierne aus die Insel zu besuchen. Neben uns segeln (motoren) Heike und Tom, die mit uns am frühen Morgen aufgebrochen sind. Danke für die schönen Fotos …
Nach dem Cap können wir dann sogar noch vernünftig segeln, sodass wir früh genug in Audierne sind, um den Fluss Le Goyen ca.1,5 Meilen hochzumotoren, um den Hafen zu erreichen. Die Zufahrt ist ein wenig tricky, aber 2 Stunden vor Niedrigwasser hat unser Karl noch mehr als ausreichend Wasser unterm Kiel.
Die Mariana, mit mehr Tiefgang, ankert erst einmal noch in der Bucht, bevor sie sich am nächsten Tag in den Hafen trauen.
Audierne, Stadt am Fluss. Auch hier, ähnlich wie in Douarnenez, steht der Tourismus nicht im Mittelpunkt. Die Fischerboote dominieren den Hafen und auf der linken Flussseite wird der Fisch verarbeitet, gehandelt und versandt. Ein unaufgeregtes schönes Städtchen mit viel Geschichte. Und wieder gefällt es uns hier.
In Erinnerung wird auf jeden Fall die Hitze bleiben. Ganz Europa schwitzt unter der Hitzewelle, aber vor allem ist Frankreich mit Temperaturen von über 40 Grad betroffen. Hier am Meer ist es noch einigermaßen erträglich. Die Wassertemperaturen von grad mal 18 Grad kühlen das Boot von unten.
Aber nicht nur wir ächzen unter den Temperaturen. Auch ein Transformator gibt seinen Geist auf und abends, wir sitzen noch im Restaurant, gehen die Lichter aus. Stromausfall im ganzen Finistere. Bis zu 100.000 Menschen sind davon betroffen. Telefon und Internet sind tot. Absoluter Blackout. Die Kommunikation kommt nach ca. 2 Stunden (!) mit minderer Qualität zurück, aber in Audierne ist es für gut 24 Stunden dunkel. Die Läden, Supermärkte, Bäckereien und Restaurants bleiben am nächsten Tag geschlossen. Morgens ist noch ein stark reduzierter Markt, wo wir uns mit frischem Gemüse und Brot vom Bio Bäcker versorgen können. Gut, das wir auf dem Boot autark sind. Unser Kühlschrank läuft weiter und kochen können wir natürlich auch.

Es braucht mehrere Tage bis sich alles wieder normalisiert und die Kühlregale im Supermarkt wieder gefüllt sind. Wir nutzen die Tage, um mit unserm Dingi den Fluss Richtung Mündung zu fahren um zu erkunden, unter anderem wo die Fähre zur Ile de Sein ablegt. So schnell die Extremhitze auch gekommen ist, lässt sie auch wieder nach. Gut so!
Mittags um zwei geht die Fähre und abends gegen 19.00 Uhr wieder zurück. Fahrzeit eine knappe Stunde. Die Temperaturen sind wieder erträglich und die Insel ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die bunten Häuser, die engen Gassen, kaum eine Erhebung. Man mag sich die Insel bei Winterstürmen vorstellen, wenn die Wellen über die Ufer schlagen und die Gischt die Insel verhüllt…
Aber jetzt regt sich fast kein Lüftchen, wir wandern über die Insel, genießen ein Austernpicknick direkt unterhalb des „Leuchtturmes Seine“ und lassen einfach die Seele baumeln.
Insgesamt verbringen wir eine komplette Woche in Audierne, aber es wird Zeit um an unser diesjähriges Ziel, den Hafen von Loctudy zu gelangen. So nutzen wir den ersten Tag, an dem wir die Möglichkeit den Hafen unter Segeln zu erreichen. Es ist kühl und auf halbem Weg fängt es auch noch kräftig an zu regnen. Aber egal, der Motor bleibt aus und kurz nach dem Cap Men Hir, im Schatten des Leuchtturms Pahre de Eckmühl begleiten uns eine Schule Delfine. Wollen Sie uns vor den Felsen an backbord warnen?
Gegen Mittag erreichen wir im strömenden Regen unser diesjähriges Ziel, den Hafen von Loctudy 🙂

Am nächsten Tag scheint in Loctudy aber schon wieder die Sonne. Der Leuchtturm Phare La Perdrix in der Hafenzufahrt.









3 KOMMENTARE
Toller Beitrag, genau wie beschrieben habe ich es 2021 auch erlebt, nur mit einem anderen Ziel. Geniesst die Zeit. Gruss Uwe
Lieber Uwe, schön von dir zu hören, ja die Bretagne ist einfach wunderschön und ein bisschen Zeit wollen wir uns durchaus dort noch gönnen. Mal sehen vielleicht sehen wir uns ja in Portugal wieder …
Hab inzwischen einen festen Liegeplatz in Melilla