In der Bretagne angekommen
Nachdem uns Fecamp so lange festgehalten hat, wollen wir zügig weiter Richtung Westen.
Die Windvorhersage verspricht nicht viel Wind, aber für Guernsey sollte es von Cherbourg aus reichen. Morgens um 6.00 h heißt es, raus aus dem Hafen. So ist das mit den Gezeiten und den entsprechenden Strömungen. Immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Bei bis zu 5 Knoten Strom (Nipptide) kann das für’s Weiterkommen entscheidend sein. So treffen sich dann auch jede Menge Segelnde, die mit uns gemeinsam Richtung Westen aufbrechen. Immer ein gutes Zeichen, dass man richtig gerechnet hat.
Der Wind reicht leider nicht, um zu segeln. Bis auf eine kurze Zeit am Cap de la Hague muss der Motor mitlaufen. Kurz vor dem Cap ein nervenaufreibendes Gepiepse. Wir haben einen Lichtmaschinen-Batterie-Laderegler von Sterling, der meint, nach 8 Jahren einwandfreien Funktionierens mit der neuen Lichtmaschine nicht klarzukommen und protestiert auf’s Heftigste mit lautem Piepen und einem Lichtorgelkonzert der etlichen rot blinkenden LED’s, die normalerweise grün dauerleuchten sollten.
Zurück zu der neuen Lichtmaschine. In Cherbourg habe ich die alte Lichtmaschine ersetzt. aber trotz aller Vermutungen war sie nicht der Fehler. Nach reichlich Suchen im Ausschlussprinzip stellte sich heraus, dass zumindest mitverantwortlich eine vom Voreigner 2014 durchgeführte Motorreparatur war. Damals wurde der Motor ausgebaut und komplett überarbeitet. Der Einfachheit halber hat man beim Ausbau des Motors den Kabelbaum vom Motor zur Schalttafel einfach durchgeschnitten und beim Einbau die Kabel wieder miteinander verbunden. Das Ganze wurde unter einer Gummitülle versteckt und ‚gut war‘. Hier hatten sich zeitgleich zwei Kabel gelöst…das waren wohl die Hauptverantwortlichen des Problems. Also war es gar nicht die Lichtmaschine, aber die 36 Jahre alte kann jetzt in den wohlverdienten Ruhestand gehen.
Beim Probelauf in Cherbourg war dann alles in Ordnung, alle Komponenten taten, was sie tun sollten. Und mittlerweile haben auch die Positionsleuchten vorne die Arbeit bis -auf Weiteres- wieder aufgenommen. (Habe jetzt zur Sicherheit aber eine konventionelle Lampe auf Reserve. Vielleicht reichte diese Drohung.)
Zurück zu unserer Lichtorgel. Kurz vor dem Cap la Hague meinte der Batterieregler „bis hierhin und nicht weiter“. Trotz des Licht’s und Piepsinfernos war sowohl beim Messen der Ströme als auch der Temperaturen von Lichtmaschine und Batterien kein Fehler zu entdecken. Mehrfach Motor aus, den Regler vom Strom genommen mit immer dem gleichen Ergebnis: kurze Zeit grün und dann wieder das bunte Spiel. Ist es die neue Lichtmaschine? Nochmals die neuen Anschlüsse kontrolliert, alles saß fest. Eine Sprühdose mit Elektrokontaktspray (noch vom Voreigner) und einem Q-Tipp brachte dann die wundersame Lösung. Nachdem ich alle Kontakte sowohl an der Lichtmaschine als auch am Regler reichlich damit behandelt und ordentlich an allen Kabeln geruckelt habe, hatten sich die beiden jetzt richtig lieb. Lichtmaschine und Regler wollen hoffentlich noch lange zusammenarbeiten.
Mittlerweile waren wir am Raz Blanchard oder auch Alderney Race (wegen der Strömung -bis zu 12 Knoten bei Springtide– berüchtigte Wasserstraße zw. Alderney und Cap la Hague) vorbei. Alles gutgegangen.
Die restlichen 20 Seemeilen waren dann erstaunlich ruhig; außer dem Brummen unseres Motors, der sich aber Dank der mitlaufenden Strömung nicht besonders anstrengen musste.
Guernsey kennen wir und wie immer werden wir per Motorboot vom Hafenmeister in Empfang genommen. Kurze Frage, ob Landstrom gebraucht wird (nein) und wie lange wir planen zu bleiben (eine Nacht) und schon wird uns im erweiterten Außenhafen mit Landanschluss ein Platz zugewiesen. Das vom Hafenmeister aus dem Schlauchboot überreichte Anmeldungsformular ist schnell ausgefüllt und beim ersten Landgang in die dafür vorgesehen Briefkästen geworfen. Schon können wir St. Peters Port genießen. Erst im Café mit fantastischem Ausblick auf den Hafen und ich dann bei den typischen vor Fett triefenden Fisch und Chips, natürlich mit ordentlich Essig. Nur das früher als Einschlagpapier genutzte Zeitungspapier incl. der Druckerschwärze fehlt mittlerweile. Eigentlich Schade 😉
Wieder geht’s am nächsten Morgen früh um 5 Uhr weiter Richtung Westen. Erste Idee war Tréguier. Nachdem wir aber Guernsey hinter uns haben, entscheiden wir uns um und es geht Richtung Roscoff. Wenn wir das geschafft haben, ist unser Ziel Loctudy nicht mehr allzu weit und wir haben vier Wochen Zeit. Für die nächste Woche ist kein tolles Wetter angesagt. Der Plan ist, vielleicht von Roscoff aus das Hinterland mit Bus oder Mietwagen zu erkunden. Jetzt haben wir Zeit für Land und Leute.
Die 75 Seemeilen waren bis auf die letzten 10 ereignislos. Kurz vorher hatte ich seit langem mal wieder das Radar eingeschaltet und ich wunderte mich nicht schlecht, als ich über Land einen etwa 5 x 5 Meilen großen roten Fleck sehe. Radar auch kaputt? Schnelle Lösung: Aus dem Nichts bauten sich hohe Gewittertürme über Land auf, die auf’s Meer hinauszogen. Wir mussten wohl oder übel mitten durch. Schnell änderte sich die Wetterlaune: aus strahlendem Sonnenschein wurden mächtig dunkle Wolken, heftige Schauer in nicht großer Entfernung, erste Blitze und dumpfes Donnergrollen. Zur Sicherheit erst einmal das Großsegel runter. Nachdem die erste Böe mit 35 Knoten durch war, wurde auch die Genua eingeholt und weiter ging’s unter Motor. Der Wind drehte um die komplette Kompassrose, aber wie durch ein Wunder teilten sich vor Karl die einzelnen Gewitterkerne und bis auf ein paar Tropfen und dieser ersten Böe war so schnell, wie alles kam, alles auch wieder vorbei. Glück gehabt.









