Eisheilige
Auch die ersten Schritte gehören zum Weg …
Alles ist ein bisschen eingerostet und das Wetter spielt nicht so richtig mit. Die Eisheiligen haben uns fest im Griff. Der Wind weht bevorzugt aus Süd-West, ein Tief folgt auf das Andere. Nur auf den Rückseiten ist ab und zu Nordwestwind. Bitterkalt! Die Überlegung, von Nieuwpoort direkt nach Cherbourg zu kommen, würde von Donnerstag auf Freitag fast umsetzbar sein. Bis auf die letzten sechs Stunden…dann hart gegenan. Aber die Idee lassen wir schnell fallen, da die Temperaturen in der Nacht mit 3 Grad vorhergesagt sind!
Also geht’s von Ostende mit Gewalt gegenan nach Nieuwpoort. Eine Schauerfront erwischt uns mit 35 Knoten Wind. Das sind fast 8 Beaufort…da fängt’s in der Takelage an, laut zu werden. Zum Glück nur kurz… In Nieuwpoort treffen wir Christine und Edgar (SY Bolero) und verbringen einen schönen Abend im gut geheizten Salon. Am nächsten Morgen nutzen wir die Chance, die 60 Seemeilen nach Boulogne-sur-Mer zu segeln. Gut gerefft, ist es zu segeln und wir kommen mit dem Strom gut voran. Durchgefroren laufen wir abends um halb zehn in den Hafen ein.
Dabei fällt auf, dass die Lichtmaschine nicht mehr lädt. Leider kein loser Kontakt…nach 36 Jahren hat sie einfach ihren Geist aufgegeben. Gut, dass wir einen Diesel haben. Da ist die Lichtmaschine nicht ganz so wichtig (geladen wird mit Wind und Sonne). Gleich am nächsten Tag ergibt sich die Chance, immerhin nach Fecamp aufzubrechen. Morgens um 7 ist die Welt mit 6 Grad nicht komplett in Ordnung, aber es scheint die Sonne. Und die 80 Seemeilen nach Fecamp bescheren uns einen wirklich schönen Segeltag. Ok, die letzten zwei Stunden waren nicht ganz so schön. Der Wind dreht immer weiter nach Südwesten, der Strom schlägt um und kommt uns erst mit zwei, dann mit drei Knoten entgegen. Da werden die letzten 7 Seemeilen lang. Im Hafen erwarten uns Heike und Tom von der SY Mariana, die uns den letzten Liegeplatz freigehalten haben. Toll, das ist wie auf den Kanaren :-).
Zwischendurch die kleinen Erlebnisse, die den Anfang etwas anstrengend machen:
o Ca. 100 Liter Trinkwasser laufen in die Bilge, weil nach dem Winter die Revisionsdeckel nicht ordentlich verschraubt waren.
o Kurz vor der Hafeneinfahrt in Fecamp fallen die Positionslichter aus (Korrosion). Nach mehrfachem An- und Ausschalten gingen sie wieder an.
o Im größten Schwabbel vor dem Hafen beim Einholen des Grossegels reißen zwei Strippen des Lazybags raus, sodaß viel Aufwand nötig ist, das Segel unter Kontrolle zu bringen.
o Der starke Strahler (Lampe) funktioniert plötzlich auch nicht mehr, obwohl ich ihn im Winter noch kontrolliert habe.
Als wir schon im Hafen sind, kommt ein Regenschauer mit ordentlich Wind (25 Knoten von der Seite) auf, der uns zu allem Übel das Anlegen erschwert.
Aber dank der Hilfe von Heike und (die sich um 23.00 Uhr noch in ihr Ölzeug gepellt hatten) war Karl dann schnell vertäut. DANKE für die Hilfe!
Das Anlegerbier wurde dann etwas üppiger …
Jetzt können wir erst einmal Luft holen. Die nächsten Tage, wahrscheinlich bis Donnerstag, ist kein Weiterkommen in Sicht. Hier sind wir schon mit drei Schiffen, die in die Bretagne wollen…









