Nossa Senhora da Piedade …

Bevor wir im Hafen festwachsen, geht es am Samstag morgen 30 Seemeilen weiter Richtung Süd-West… Madeira ist unser Ziel. Wir hatten von Porto Santo aus einen Platz in der Marina dort reserviert. Beim Bezahlen in Porto Santo und der Nachfrage stellte sich heraus, daß die Hafenmeisterin einen Platz in Funchal reserviert hat. Wir wollen aber nach Quinta do Lorde im Osten der Insel. Wesentlich ruhiger und entspannter als Funchal. Nach einem Telefonat der Hafenmeisterin werden wir nachmittags dann auch in Quinta de Lorde erwartet. Aber anders als wir dachten. Nach ruhiger Überfahrt größtenteils unter Segeln biegen wir nach Norden ab um die vorgelagerte östliche Halbinsel und trauen unsern Augen nicht. Auf dem AIS sind reichlich Boote, die direkt auf uns zuhalten. Mit dem Fernglas erkennen wir tatsächlich eine Flotte an Fischern, die sich aus dem Nachbarhafen in Carnical auf den Weg gen Osten macht. Um uns zu begrüssen? Uns zu kapern? Kurze Zeit später erkennen wir, daß alle Boote geschmückt und mit Menschen proppevoll besetzt sind. Partystimmung! Die ganze Bucht um Quinta do Lorde scheint auf den Beinen zu sein. Überall Boote auf dem Wasser, Autos an Land und Menschenmengen. Unter Funk fragen wir im Hafen wegen des reservierten Liegeplatzes. Es kommen uns Zweifel, ob das wohl klappen wird. Der Hafenmeister reagiert sofort und sagt, er hole uns mit dem Schlauchboot ab. Kurze Zeit später löst sich aus dem Pulk der Schiffe vor uns ein Schlauchboot und kommt direkt auf uns zu. Es ist tatsächlich der Hafenmeister, der uns fast zwei Meilen vor dem Hafen abholt. Er teilt uns mit, dass die Heilige „Nossa Senhora da Piedade“ aus ihrer Gefangenschaft oberhalb der Marina für einen Tag entlassen, von den Fischern abgeholt und in die Kathedrale der Nachbarstadt nach Carnical gebracht wird, um dann am Sonntag wieder für ein Jahr in ihre Einsiedelei zurückzukehren. Und wir mittendrin. Aber mit der Begleitung kommen wir sicher in den Hafen und bekommen einen Platz neben der SY Tringa von Vreni und Christian aus der Schweiz, die wir schon in Baiona kennengelernt haben. Die Prozession oben vom Berg hat gerade den Höhepunkt erreicht und Nossa Senhora wird auf ein Fischerboot verfrachtet. Am Sonntag geht dann alles wieder zurück und wir erleben es diesmal etwas näher und vom Kai aus.

Am Montag fahren wir zum Flughafen und mieten für eine Woche ein Auto. Erst einmal geht’s damit direkt zum grossen Sportfachgeschäft in Funchal. Nachdem wir dank Silkes neuem Handy erfahren haben, dass wir seit Juli ca. 500 km gelaufen sind, haben wir uns entschlossen, uns ein wenig flexibler zu machen. Zwei Roller stehen seitdem neben Karl. Eine Hilfe beim Einkaufen und Erkunden der Landschaft…haben wir verdient 😉

Am nächsten Tag geht es mit Max und Ruth in die östlichen Berge Madeiras. Jetzt wissen wir auch, warum der Autovermieter meinte, daß ein etwas PS-stärkerer Wagen mit vier Personen auf der Insel durchaus angebracht ist. Mehr als steil geht es nach oben. Serpentinen schrauben sich die Berge herauf. Wir treffen auf Schafe im Nebel, steigen aus und laufen duch Eukalyptus-, Fichten- und Mischwald . Im Unterholz strolchen die Schafe herum. Plötzlich bricht die Sonne heraus und wir entschließen uns, weiter zu fahren auf den höchsten Berg der Insel. Wir sind völlig überwältigt von den Aussichten, die sich plötzlich ergeben, nachdem die Wolken jetzt fast verschwunden sind. Nach jeder Kurve neue phantastische Ausblicke. Vom Gipfel laufen wir auf dem gut ausgebauten Wanderweg und lassen uns von der schroffen vulkanischen Gebirgslandschaft faszinieren. Wir befinden uns auf ca 1800 m Höhe und es ist einfach phantastisch schön. Abends zurück am Meer gehen wir in Machito essen. Degenfisch mit Banane; eine Inselspezialität. Wurde schon im Reiseführer beschrieben und auch an der Fischtheke beim Einkaufen ist dieser Tiefseefisch wegen seiner „Schönheit“ nicht zu übersehen. Um den Anblick etwas abzumildern, dachte man sich wohl, muss der Fisch mit Banane serviert werden. Fisch mit Banane, gewöhnungsbedürftig, aber lecker. Am nächsten Tag fahren wir zu Zweit nach Funchal (die Jugend muss lernen).

Wir verschaffen uns einen ersten Überblick von dieser lauten trubeligen und grossen Stadt. Ein buntes Treiben nicht nur aus Tourist/innen. In einem Stoffladen bekommen wir Persenningstoff für die Erweiterung unseres Biminis. Auf Nachfrage (mit Händen und Füßen) erfahren wir auch, wer uns Ösen in den Stoff machen kann, nicht weit entfernt. Dort angekommen geht es erst einmal in eine Schneiderei, die den Stoff, vor den Ösen, noch umnähen muß. Am Samstag können wir dann alles wieder abholen.

 

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